In den
USA wird derzeit eine Debatte geführt, die international zusehends
Resonanz findet. Sie greift eine alte Vision auf: die vollständige
Abschaffung aller Atomwaffen. Die Initiatoren sind alles andere als
politische Außenseiter. Vielmehr handelt es sich um altgediente
und krisenerprobte Politiker und Experten, darunter Henry Kissinger und
George P. Shultz. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die
tiefgreifende Krise des nuklearen Nichtverbreitungsregimes. Sollte auch
die 2010 anstehende Überprüfungskonferenz wie jene im Jahr
2005 scheitern, womit momentan zu rechnen ist, könnte dies das
gesamte Regime zum Einsturz bringen. Als Konsequenz wäre denkbar,
dass sich schon in wenigen Jahren immer mehr Staaten oder sogar
nichtstaatliche Akteure Nuklearwaffen aneignen. Dies gelte es - so die
Verfechter der vollständigen nuklearen Abrüstung - durch
einen radikalen Ansatz zu verhindern. Doch wie realistisch ist dieser
Ansatz? Und was bedeutet die Debatte für die deutsche und
europäische Politik?